Hochverfügbarkeit & Failover: Wenn IT-Ausfälle keine Option sind

Für manche Unternehmen ist jede Stunde IT-Ausfall existenzbedrohend. Was Hochverfügbarkeit kostet, was sie bringt und wann sie notwendig ist.

Eine Stunde Serverausfall ist ärgerlich. Für ein produzierendes Unternehmen, das seine Fertigungssteuerung nicht mehr erreicht, oder ein Logistikdienstleister, dessen Dispositionssystem nicht antwortet, kann dieselbe Stunde Zehntausende Euro kosten. Wann lohnt sich Hochverfügbarkeit wirklich – und was kostet sie?

Was Hochverfügbarkeit bedeutet

Hochverfügbarkeit (High Availability, HA) bezeichnet IT-Systeme, die so ausgelegt sind, dass sie auch bei Teilausfällen weiter funktionieren. Das Maß ist die Uptime – oft in Neunen ausgedrückt:

  • 99,9 % (drei Neunen): max. 8,7 Stunden Ausfall pro Jahr
  • 99,99 % (vier Neunen): max. 52 Minuten Ausfall pro Jahr
  • 99,999 % (fünf Neunen): max. 5 Minuten Ausfall pro Jahr

Die letzten Prozentpunkte kosten überproportional mehr – sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Wichtig ist daher, realistisch zu definieren, was ein Unternehmen tatsächlich braucht.

Die drei Standby-Modelle

Hot Standby: Ein zweites System läuft permanent parallel und übernimmt innerhalb von Sekunden, wenn das primäre System ausfällt. Der Umschaltvorgang (Failover) läuft automatisch und ist für Nutzer kaum spürbar. Höchste Verfügbarkeit, aber auch höchste Kosten, da zwei vollständige Systeme laufen.

Warm Standby: Das Backup-System läuft zwar, aber Daten werden nicht vollständig synchron gehalten. Die Übernahme dauert einige Minuten und erfordert möglicherweise manuelle Eingriffe. Guter Kompromiss für viele KMU.

Cold Standby: Das Backup-System ist vorhanden, aber ausgeschaltet. Im Fehlerfall muss es erst hochgefahren und konfiguriert werden – das dauert Stunden. Sinnvoll als Notfallreserve bei sehr geringem Budget.

Typische Single Points of Failure

Ein Single Point of Failure (SPoF) ist eine Komponente, deren Ausfall das gesamte System lahmlegt. Die häufigsten in KMU-Umgebungen:

  • Einzelner Server: Fällt der Haupt-Server aus, ist alles weg – kein ERP, kein Filesharing, kein E-Mail.
  • Einziger Internetzugang: Ein defektes Kabel oder eine Provider-Störung trennt das Büro von der Außenwelt.
  • Einzige Firewall: Fällt sie aus, kommt kein Datenverkehr mehr durch.
  • NAS ohne RAID: Ein Festplattendefekt ohne Redundanz bedeutet Datenverlust.

Hochverfügbarkeit für die Internetanbindung: Dual-WAN

Dual-WAN ist eine der kosteneffizientesten HA-Maßnahmen: Der Router ist mit zwei verschiedenen Internetanbindungen verbunden – z. B. einem Glasfaseranschluss als primärem Weg und einem LTE-Backup. Fällt eine Leitung aus, übernimmt die andere automatisch. Für viele Unternehmen mit Cloud-Diensten oder VoIP die wichtigste Absicherung überhaupt.

Hochverfügbarkeit für Server: Virtualisierungscluster

Mit Virtualisierungsplattformen wie VMware vSphere oder Proxmox lassen sich HA-Cluster aufbauen: Mehrere physische Hosts teilen sich die Last. Fällt ein Host aus, starten die virtuellen Maschinen automatisch auf einem anderen Knoten. Voraussetzung ist ein gemeinsamer Shared Storage oder replizierter Speicher.

Kosten-Nutzen-Abwägung

Die Kernfrage ist: Was kostet eine Stunde Ausfall? Wer das beziffern kann, kann die Investition in Hochverfügbarkeit direkt gegenrechnen. Für einen Arztpraxis-Verbund oder ein Call-Center ist die Rechnung schnell klar. Für ein Handwerksunternehmen mit 10 Mitarbeitern reicht oft ein gutes Backup mit schneller Wiederherstellung.


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